Ist Tempo 30 nötig?
Tempo 30 bedeutet weniger Lärm, eine höhere Aufenthaltsqualität und eine verbesserte Verkehrssicherheit. Die Lärmgrenzen sind entlang der Brünigstrasse deutlich überschritten. Gemäss Berechnungen des Bundes reduziert sich der Lärm von Tempo 50 auf Tempo 30 um 4 Dezibel. Dies entspricht akustisch mehr als einer Halbierung des Verkehrsaufkommens.
Tempo 30 bedeutet auch eine angenehmere Umgebung für Anwohnerinnen und Anwohner sowie eine einladende Atmosphäre für Besucherinnen und Besucher, Kundschaft und Mitarbeitende der Fachgeschäfte. Zudem wird mit Tempo 30 nachweislich die Unfallhäufigkeit und die Unfallschwere reduziert. Davon profitieren wir alle, die in Sarnen unterwegs sind.
Wird es genügend Parkplätze haben?
In Sarnen gibt es auch mit dem neuen Verkehrssystem genügend Parkplätze. Die Parkplätze auf dem Dorfplatz bleiben bestehen. Gemäss dem Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) sollen 11 Parkplätze aufgehoben werden:
- 5 auf der Bahnhofstrasse – dort stehen heute die Autos zum Teil auf dem Trottoir, weil die Platzverhältnisse zu eng sind.
- 4 vor dem Bahnhof – dieser Platz wird für den Minikreisel und einen flüssigen Verkehr an diesem Knoten benötigt.
- 2 vor dem Gemeindehaus – diese sind bereits jetzt gesperrt, um eine bessere Einsehbarkeit am Fussgängerstreifen zu ermöglichen und die Sicherheit für die Schulkinder zu verbessern.
Durch die neue Tiefgarage beim Gemeindehaus entstehen rund 40 zusätzliche zentrumsnahe Parkplätze. Es stehen also immer genügend Parkplätze zur Verfügung.
Welche Auswirkungen hat es auf den ÖV?
Der ÖV profitiert vom neuen Verkehrssystem. Aktuell bestehen diverse Stellen, an denen Postauto und Auto kaum aneinander vorbeikommen und Autos aufs Trottoir ausweichen, wie zum Beispiel in der Lindenstrasse. An anderen Orten wie auf der Brünigstrasse zwischen Dorfplatz und Krone müssen die Autofahrenden warten, bis das Postauto vorbeigefahren ist.
Durch das Einbahnsystem wird diese Situation entschärft. Das Postauto kann ungehindert passieren ohne gefährliche Ausweichmanöver.
Was passiert mit dem Ausweichverkehr?
Der Testbetrieb ist ideal, um das zu zeigen. Er zeigt, was funktioniert und wo es noch Schwachstellen gibt, welche dann im definitiven Betrieb berücksichtigt werden können. Eine Verlagerung auf die Enetriederstrasse ist möglich. Wie stark die dortige Verkehrsbelastung sein wird und wie gut das Ausweichen auf die schnellere Umfahrung via die Autobahn funktioniert, kann der Testbetrieb zeigen. Gestützt auf diese Erfahrungen können im Anschluss Massnahmen getroffen werden.
Gleichzeitig wird zur Förderung des Ausweichverkehrs über die A8 das Projekt zur Verbesserung des A8-Anschlusses Sarnen Nord vorangetrieben. Es ist Teil des Bauprogramms des Bundesamts für Strassen ASTRA. Das Bauprojekt wird aktuell ausgearbeitet und die Umsetzung ist für Anfang der 2030er Jahre geplant.
Werden die Geschäfte profitieren?
In zahlreichen Gemeinden, in denen verkehrsberuhigende Massnahmen umgesetzt wurden, bestätigen Gewerbeumfragen: Die Geschäfte haben mehr Kundschaft, es gibt weniger Lärm und eine bessere Atmosphäre. Der Detailhandel und die Gastronomie verzeichnen stabile bis steigende Umsätze. Vielerorts öffneten neue Geschäfte und Cafés. Murten, das von seiner Grösse und seiner Lage an einem See her mit Sarnen vergleichbar ist, wurde zu einem regionalen Einkaufs- und Ausflugsziel.
Welche Lehren wurden aus dem ersten Einbahntest gezogen?
Die Erfahrungen aus dem Einbahntest von 2003 sind in das aktuelle Betriebs- und Gestaltungskonzept eingeflossen. So wird die Verkehrsführung beim Bahnübergang Kernserstrasse angepasst, um Rückstau zu verhindern. Auch wurden für den Fall von Dorfsperrungen Änderungen vorgenommen. Anders als damals bleibt die Lindenstrasse auch bei Dorfsperrungen eine Einbahn. Man hat aus dem ersten Einbahntest gelernt.
Gleichzeitig ist die Welt heute eine andere: 2003 war das meistverkaufte Auto in der Schweiz ein VW Golf, heute ist es ein rund 10 cm breiterer VW Tiguan. Vor 22 Jahren waren 24’000 Motorfahrzeuge in Obwalden registriert, heute sind es 35’000. Damit dieser Verkehr flüssiger fahren kann, hilft ein Einbahnsystem ohne Engstellen.
Warum sich ein Testbetrieb lohnt?
Ein Testbetrieb ist die beste Variante, um Erfahrungen mit dem Verkehrssystem zu sammeln und die tatsächlichen Verhältnisse zu sehen. Der direkte Test zeigt, wie sich die Menschen verhalten und gestützt darauf kann das System verfeinert werden.
Eine Simulation ist nur so gut wie das zugrundeliegende Modell. Ein belastbares Modell benötigt sehr detaillierte Verkehrserhebungen, die aktuell nicht vorliegen, da beispielsweise die Anzahl Fahrzeuge aus kleineren Zu- und Wegfahrten fehlen. Eine vereinfachte, kostengünstige Simulation könnte wohl gemacht werden, ist aber nicht realitätsnah und mit grosser Unsicherheit behaftet. Auch kann ein Modell kooperatives Verhalten nicht abbilden, zum Beispiel wenn jemand auf seinen Vortritt zugunsten eines anderen Verkehrsteilnehmenden verzichtet. Man weiss also nicht, ob sich die Sarner Bevölkerung wie vom Modell angenommen verhält.
Das Geld für den Testbetrieb ist gut investiert, damit sich die Bevölkerung selbst ein Bild machen kann, was Tempo 30 und das Einbahnsystem unter den heutigen Bedingungen bedeuten. Der Versuch kostet 200’000 Franken, die Kanton und Gemeinde gemeinsam tragen. 40’000 Franken davon sind Investitionen, die langfristig genutzt werden können, wie der neue, übersichtlichere Fussgängerstreifen beim Dorfplatz und die Signalisation.
Die Sarnerinnen und Sarner können im Testbetrieb die Vor- und Nachteile einer neuen Verkehrsführung direkt erleben und aufgrund ihrer Erfahrungen entscheiden, ob sie das neue System wollen.
